OGV-Katzwang - Moos kompostieren
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Moos erfolgreich kompostieren

 

Wer, wie ich auch, keine Lust hat die wertvolle Biomasse seines gift- und chemiefreien Biogartens in den städtischen Grüncontainer zu werfen, gewinnt über das Kompostieren immer wieder wertvollen Gartendünger.

 

Selbst das hartnäckig verfilzte Moos im Rasen kann erfolgreich kompostiert werden. Es gilt aber das Moos abzutöten, damit es beim erneuten Ausbringen im Garten nicht wieder zu wachsen beginnt. Das geschieht mittels der sogenannten Heißrotte optimal bei bis zu 70°C (Bei unter 50°C bleibt feuchtes Moos unbeeindruckt und würde danach munter weiter wachsen. In trockenem Zustand überlebt es sogar Temperaturen bis 110°C).

 

Das Prinzip ist einfach und wie unten beschrieben.

 

Wenn ich meinen Rasen vertikutiere, hängt an dem zusammen gerechten Moos und Grasfilz zu viel Erde und Sand. Das erweist sich beim Kompostieren der gesammelten Biomasse als hinderlich, denn das Kompostiergut erreicht dadurch am Komposthaufen nicht die notwendige Temperatur, um das Moos wirklich abzutöten.

 

Es gilt daher das Moos und den Rasenfilz von der Erde zu befreien, es im Thermokomposter in einem „Kern“ aufzuschichten und mit „normalem“ moosfreiem Kompostiergut zu ummanteln.

 

 

Im „Kern“ soll dem Moos durch die entstehende Hitze die Vitalität entzogen werden. Übrig bleibt vom Moos ein fast torfartiges fusseliges Material, das prima in die Beete eingearbeitet werden kann, um dort die Bodenstruktur zu verbessern. Es speichert Feuchtigkeit und lockert den Boden. Dadurch können wir - der Umwelt und der Natur zuliebe - auf Torf verzichten.

 

Benötigt wird:

 

Ein (besser zwei) Thermokomposter (Höhe ca. 100 cm) und ein Mörtelkübel (auch "Kufte" genannt) zum Moos sammeln. Größe nach Bedarf.

 

 

Die Thermokomposter sind deshalb gut geeignet, weil die Ummantelung des Mooskerns durch die stabilen Außenwände schmäler und kompakter gehalten und durch das geschlossene System die nötige Kerntemperatur besser erreicht und gehalten werden kann.

 

Ein kleiner runder 40 Liter Mörtelkübel (40 cm Innendurchmesser, der in den Komposter passt), von dem mit der Flex oder Stichsäge der Boden ausgeschnitten wird, um eine Röhre zu erhalten.

Natürlich kann auch eine vergleichbare andere Röhre verwendet werden.

 

 

Ein Küchensieb (ca. 30 cm Durchmesser) zum Schöpfen und evtl. ein rundes Gartensieb zum Abtropfen (gibt’s bei der Baywa).

 

 

Und schon geht’s los.

 

Mit einem Vertikutierrechen den Rasen von Moos und Rasenfilz befreien. Mit einem Eisenbesen das Moos (zusammen mit dem Grasfilz etc.) sorgfältig aus der Wiese kratzen und die gesammelte Biomasse in eine Kufte geben. (Am besten wenn der Rasen trocken ist, dann bleibt weniger Erde an den Wurzeln hängen.)

Selbstverständlich kann man auch mit jedem anderen mechanischen oder motorisierten Gerät vertikutieren.

 

Wichtig:

Weil trotzdem immer Erd- oder Lehmklumpen am Moos und an den Gräsern hängen bleiben, setze ich den Inhalt der Kufte mit einem scharfen Strahl des Gartenschlauchs unter Wasser, um Sand und Erde vom Grünzeug zu lösen.

Die Biomasse also spülen, da die Erdanteile sonst die Heißrotte behindern würden und das Moos nicht richtig verrotten kann.

 

Erde, Sand und Steinchen setzen sich am Boden der Kufte ab. Alles oben schwimmende Moos und Gras schöpfe ich dann mit einem Küchensieb ab und lasse es auf einem Gartensieb in einer zweiten Kufte abtropfen. Man kann es auch mit den Händen auswringen. Es sollte halt nicht mehr vor Nässe triefen.

Mit dem Gartenschlauch sparsam umgehen, damit sich bis zum Ende der Aktion nicht zu viel Wasser ansammelt. Wenn sich alles gesetzt hat und im Wasser kein Grünzeug mehr schwimmt kann es zum Rasengießen wiederverwendet werden.

 

In den Thermokomposter gebe ich als erstes als „Fundament“ eine ca. 10 - 20 cm hohe Schicht gehäckselter Obstbaumschnitt oder ähnliches. Darauf setze ich die, aus der kleinen Kufte hergestellte Röhre und fülle sie mit dem feuchten Moos-Grasgemisch.

Rings um die Kuftenröhre wird mit „normalem“ üblichen Kompostiergut (Häckselgut aus dem Garten, Küchenabfälle, Gemüse- und Blumenreste, trockener halbverrotteter Mist) bis zum oberen Rand der Kuftenröhre aufgefüllt.

 

 

Wenn die Kuftenröhre dann bis oben gefüllt ist, wird sie unter leichtem Rütteln vorsichtig nach oben gezogen, bis sie wieder zu ca. 2/3 herausragt.

Nach und nach immer wieder Moos-Grasgemisch in die Röhre füllen und den Raum zwischen Röhrenaußenwand und der Komposterwand ringsum mit Kompostiergut füllen und die Kuftenröhre immer wieder nach oben ziehen, bis der Komposter aufgefüllt ist.

 

Ich achte darauf, dass in der Füllung um die Röhre herum kein Moos gelangt. Mein Ziel ist einen reinen Moos-Grasfilzkern hoch zu ziehen, der ringsum von „normalem“ Kompostiergut ummantelt wird.

Das Moos-Grasfilzgemisch, das in die Kuftenröhre gefüllt wird, kann natürlich auch mit anderen Anteilen gemischt werden. Da das Moosgemisch nass ist, hilft Stroh vom Biobauern, holziges Gartenhäckselgut oder gehäckselter Windbruch von Nadelbäumen. Mit Pferdemist kann die Hitzebildung unterstützt werden.

Wer durch regelmäßiges Kompostieren bereits Erfahrung gesammelt hat, wird dabei ein gutes Händchen haben. Denn auch hier gelten die allgemein gültigen Regeln für ein gutes Komponieren des Komposthaufens.

 

Am Ende das Ganze mit einer 20 cm dicken Schicht aus moosfreiem Kompostiergut verschließen, damit auch die obersten Moosanteile heiß genug werden können.

 

 

In der Kufte, in der das Moos gespült wurde, hat sich am Boden eine Menge Erde abgesetzt, die wieder über dem Rasen verteilt wird. Dafür muss der Brei aber gründlich trocknen. Entweder regengeschützt in der Sonne (was einige Zeit braucht), oder über Feuer. Dafür benutze ich einen großen Küchentopf vom Recyclinghof, den ich auf einen Gitterrost über meine Feuerstelle setze und die feuchte Erde darin unter gelegentlichem Rühren zügig trocknen lasse.

Die trockne und abgekühlte Masse im Gartensieb zerbröseln, durchsieben und die feine pulverige Erde wieder auf dem Rasen verteilen.

 

In der Vegetationszeit dauert es ca. ein Jahr, bis aus der ganzen Komposition ein fertiger Mooskompost geworden ist. Wenn der Kompost im April oder Mai angesetzt wurde, kann im September der gesamte Inhalt in den zweiten Thermokomposter umgesetzt werden. Dadurch wird das Material durchgemischt und belüftet. Im nächsten Frühling sollte der Mooskompost reif sein.

 

Wenn mein Kompost reif ist, rüttle ich alles durch ein Gartensieb, um die torfig-fusseligen Moosanteile vom feinen Restkompost zu trennen. So kann ich die feinen Anteile wieder über dem Rasen verteilen und damit die wertvollen Nährstoffe an die Wiese und die Obstbäume zurückgeben.

 

Die torfig-fusseligen Skelette, die von dem Moss übriggeblieben sind, werden in die Beete eingearbeitet, um die Erde in den Beeten zu lockern. Sie haben wenig Nährstoffgehalt und einen geringen Düngewert, verbessern aber die Bodenstruktur.

 

 

Viel Erfolg beim Kompostieren!

 

 

Für Fragen stehe ich gerne zur Verfügung. Freuen würde ich mich auch über einen regen Gedankenaustausch rund um das Kompostieren.

 

 

Ein gutes Gelingen wünscht

Hans-Günter Brodmann im verregneten Juni 2016